Was wächst denn da? 

Zahlenmäßig ist er uns definitiv überlegen: der deutsche Wald besteht aus ungefähr 93 Millionen Bäumen (Waldinventur 2014, BMEL 2018). Mit 11,4 Millionen Hektar ist Deutschland, ein im europäischen Vergleich dicht besiedeltes Land, zu einem Drittel bewaldet. Im hochkomplexen Ökosystem Wald ist dabei mindestens genauso viel los: neben zahlreichen Tierarten sind 76 Baumarten, 116 Straucharten, 1.020 krautige Pflanzenarten, 676 Arten von Moosen und 1.024 Flechten- sowie ungezählte Pilzarten hier beheimatet, davon zählen 18% als gefährdet. Heimisch sind aber nicht alle Arten. Auf etwa 5% der Waldfläche stehen nicht-heimische Baumarten wie Douglasie, Küstentanne oder Roteiche (BMEL 2018, WEHAM).

Die richtige Mischung?

Vier Hauptbaumarten prägen das Wald-Bild besonders: ein Viertel aller Bäume sind Fichten, 22% sind Kiefern, 15% Buchen und 10% Eichen (BMEL 2017a). Der deutsche Wald ist mehr Kultur- als Naturwald, da er schon lange vom Menschen durch verschiedene Aktivitäten beeinflusst wurde. Seit dem 18. Jahrhundert wurden bevorzugt (auch nicht-heimische) Nadelbäume angepflanzt – diese wachsen besonders schnell. Einer Untersuchung der Naturwald Akademie zufolge findet man auf nur noch 4,5% der Waldfläche Bäume, die älter als 140 Jahre sind.

Die richtige Baumarten-Durchmischung ist einer der vielen Diskussionspunkte zum Thema Wald. In den letzten drei Jahrzehnten wurde die Idee der naturnahen Waldbewirtschaftung und einer stärkeren Durchmischung der Wälder immer wichtiger. Seit 2002 wurde der Anteil an Laubbäumen, der aktuell bei 42% liegt, um 7% erhöht. Verglichen mit dem Wald, wie er natürlicherweise wachsen würde, findet man auf den meisten Waldflächen heute nur noch wenige unterschiedliche Baumarten: 90% der Fläche werden von nur zehn Arten bewohnt. Zu den vier Hauptbaumarten kommen Birken, Eschen, Schwarzerlen, die Europäische Lärche, Douglasien und Bergahorn dazu (BMEL 2018).. 

Alt und standfest

Wie auch wir Deutschen wird der Wald immer älter: im Vergleich zum Jahr 2002 ist das Durchschnittsalter der deutschen Bäume um viereinhalb Jahre auf 77 Jahre angestiegen. Knapp ein Viertel der Bäume ist über 100 Jahre alt, 14% sind sogar älter als 120 Jahre. Am ältesten sind die Eichen: sie sind im Schnitt 102 Jahre alt. Wo der Mensch nicht durch Anpflanzung nachhilft (13%), verjüngt sich der Wald auf natürliche Art und Weise von selbst (zu 85%): jedes Jahr wachsen 121,6 Millionen Kubikmeter Holz dazu (BMEL 2017b und BMEL 2018). Aktuell sind etwa 6% des gesamten Holzvorrats im Wald Totholz. Das entspricht ca. 224 Millionen Kubikmetern. Doch selbst, nachdem ein Baum abgestorben ist, erfüllt sein Holz als Totholz noch wichtige Funktionen im Biosystem Wald.

Der Baum als Lebensraum

Nicht nur der Wald als großes Ganzes, sondern auch einzelne Bäume können Lebensräume, sogenannte Mikrohabitate, für Tiere, Pflanzen und Pilze sein. Diese fühlen sich in Baumhöhlen, Rindentaschen, in der Borke oder toten Ästen sehr wohl. Habitatbäume sind im Wald eher selten und stehen deshalb unter gesetzlichem Schutz. (BMEL 2017a)
Selbst nachdem ein Baum abgestorben ist, erfüllt sein Holz als Totholz noch wichtige Funktionen im Biosystem Wald. Seltene Arten finden hier ihren Lebensraum. Derzeit sind 6% des lebenden Holzvorrats Totholz in unterschiedlichen Stadien der Zersetzung, das entspricht 224 Millionen Kubikmeter.

Unter den Baumkronen – die Bewohner des Waldes

Von der Kronen- über die Strauch-, Kraut-, Moos- und Wurzelschicht: unter dem dichten Blätterdach leben 140 verschiedene Arten von Wirbeltieren und unzählige weitere Kleinlebewesen in mehreren Stockwerken. Einige Tiere stehen dauerhaft unter Schutz oder sogar auf der Roten Liste, weil sie als gefährdet und vom Aussterben bedroht gelten, wie bspw. über 800 der insgesamt 6500 Käferarten. Manche Tiere hingegen dürfen gejagt werden, weil zu viele von ihnen den Wald belasten können.

Auch Bäume haben Stress: Bedrohungen des Waldes

Die Nadeln färben sich rot, die Rinde fällt ab und um den Stamm ist Bohrmehl verteilt –diese Anzeichen deuten darauf hin, dass der Baum vom sogenannten „Buchdrucker“ bzw. Borkenkäfer befallen ist. Aber nicht nur der winzige Käfer (er wird bis zu sechs Millimeter groß) oder andere Mikroorganismen wie Pilze können eine ernsthafte Bedrohung für den Wald darstellen.

Manche Störungen sind ganz natürlich und gehören zur Dynamik in einem Ökosystem dazu. Vor allem aber der Mensch selbst strapaziert und schadet dem Wald auf vielfältige Weise. Luftverunreinigungen haben in den 80er Jahren für hohe Waldschäden gesorgt und sich dadurch bis auf das Grundwasser ausgewirkt. Durch den Klimawandel bedingte Wetterextreme, Phasen der Trockenheit und immer mehr Heißtage setzen den Wald zunehmend unter Druck. Besonders die Fichten gelten als anfällig gegenüber dem Klimawandel (BMEL 2017a und b). 

Durch die Zerschneidung von Waldgebieten bspw. für den Bau von Straßen, Gewerbe- oder Wohngebieten nimmt die biologische Vielfalt Schaden: die bebauten Abschnitte sind für Waldtiere unüberwindbare Hindernisse. Nur 1,3 Millionen Hektar von 11,4 Millionen Hektar sind in Deutschland noch unzerschnitten (BMEL 2017b). 

Teilweise greift der Mensch dabei auch in Gebiete ein, die eigentlich rechtlich einen besonderen Schutzstatus innehaben. Extreme Holzeinschläge und rücksichtsloser Umgang mit dem Waldboden und Bächen sind nur ein Beispiel hierfür, wie der BUND dokumentiert. Aus seiner Sicht ist die behördliche Aufsicht nur mangelhaft, klare gesetzliche Vorgaben für eine naturverträgliche Bewirtschaftung scheinen zu fehlen. 

Besonders geschützte Waldflächen

Je nach Zweck und Wald- bzw. Baumart stehen Teile des Waldes daher unter besonderem Schutz. Schutzwald, Erholungswald, Naturparke, Landschaftsschutzgebiete, Biosphärenreservate, Biotope, Nationalparke, Wasserschutzgebiete (Wasserrecht): es gibt viele Formen von Schutzgebieten, die sich auch großflächig überschneiden können. 47% des Waldes sind Landschaftsschutzgebiete, 37% Naturparke und 18% Schutzgebiet nach der europäischen FFH-Richtlinie (das FFH steht für Flora-Fauna-Habitat). Den kleinsten Anteil mit 1% stellen Nationalparke, die rechtlich am stärksten geschützt sind (BMEL 2017b). Trotz Schutz-Status sind nicht alle Gebiete in einem guten Zustand. 12% der FFH- und Vogelschutzgebieten befinden sich nur in einem unzureichenden, 9% sogar in einem schlechten Zustand (BMEL 2017b). 
 

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