Blockchain und Wald

Forstwirt*innen haben vielseitige Aufgaben. Sie beschäftigen sich hauptamtlich mit Waldbewirtschaftung, dies umfasst die Holzernte, -Vermessung, -Sortierung und -Lagerung. Sie pflanzen außerdem neue Waldstücke, pflegen und schützen sie, und kümmern sich so gleichzeitig auch um Lebens- und Schutzräume von Waldtieren sowie Gebiete der Erholung. Um die Wildtiere und die Organisation der Jagd kümmern sich die Revierjäger*innen. Diese beiden Berufe werden durch weitere Fortbildungsangebote ergänzt. Es gibt also eine Vielzahl an Berufen, die sich – neben den privaten Waldbesitzer*innen – um den Wald kümmern und ihn verwalten. Digitale Technologien können hier unterstützen und Abläufe vereinfachen – so weit, dass sich der Wald rein theoretisch sogar selbst verwalten kann.

Der Wald der Zukunft

Eine dieser digitalen Technologien ist die Blockchain-Technologie. Die Waldnutzung ist durch vielerlei widersprüchliche Interessen und Zielkonflikte geprägt, die bestenfalls zukünftig aufgelöst werden sollten. Vor diesem Hintergrund gilt es viele Möglichkeiten auszuprobieren, um einen Interessensausgleich zu schaffen, unter anderem auch digitale Lösungsansätze. Die Erfahrungen mit diesem Experiment könnten dabei den Weg weisen beim anstehenden Umbau von einer erdölbasierten Wirtschaft hin zu einem zukunftsfähigeren, bio- und holzbasierten System.

Im Zusammenhang mit der Waldwirtschaft kann man Blockchain primär als organisatorische Innovation auffassen. Die Technologie baut auf einer Kette von Datensätzen auf, die wie digitale Kontoauszüge oder Bilanzen zu verstehen sind. Die Daten sind auf allen beteiligten Rechnern gespeichert und können von allen Beteiligten gelesen, aber nicht verändert, sondern nur ergänzt werden. Durch die so hergestellte Transparenz und Nachvollziehbarkeit gelten diese Daten als besonders vertrauenswürdig. Geliefert werden sie von Sensoren. So entsteht ein dichtes Netz aus aktuellen und präzisen Informationen über ein bestimmtes, vernetztes Waldgebiet.
 

Update aus dem Wald

Solche Daten eignen sich gut, um Ereignisse und Informationen, z.B. die Fällung von Bäumen, den Befall eines Waldgebietes durch Schädlinge, der Bestand an Wildtieren festzuhalten und auch über einen längeren Zeitraum nachvollziehen zu können. Schon heute gibt es Bäume, die über Sensoren u.a. erfassen, wie viel Wasser sie aufgenommen oder wie viel Sauerstoff sie produziert haben, und das automatisch per Twitter mitteilen.

In Zukunft erhofft man sich, nicht erst anhand von Rauchwolken von einem Waldbrand zu erfahren, sondern die Gefahr schon früher in den Daten erkennen oder sogar automatisch verhindern zu können. Mithilfe von sogenannten Smart Contracts wäre es möglich, automatisch Maßnahmen und Handlungsschritte einleiten zu lassen (bzw. Aufträge dafür zu vergeben), sobald bestimmte Grenzwerte erreicht werden. Vereinfacht gesagt: wird es zu trocken im Wald, wird die nächstgelegene Feuerwehr automatisch informiert. 

Die Grenze der Messwerte sowie die Aktion, die dadurch ausgelöst werden soll und wer daran beteiligt sein bzw. benachrichtigt und beauftragt werden soll, muss vorab durch den Menschen festgelegt werden. Deshalb ist es wichtig, darüber zu sprechen, wofür und unter welchen Voraussetzungen diese Techniken angewandt werden sollen, welche moralischen und ethischen Bedingungen für diese automatisierten Handlungen festgelegt werden sollen.