Der Mensch und das Holz

Seit über 7000 Jahren beansprucht der Mensch den Wald, seine Fläche und sein Holz. Historische Ereignisse wie die industrielle Revolution oder der zweite Weltkrieg und der Wiederaufbau haben ihren Tribut gefordert und Spuren im Wald hinterlassen. (BMEL 2018) Die heutige Forstwirtschaft versucht, all diese Funktionen und die daraus abgeleiteten Ansprüche an die begrenzte Waldfläche nachhaltig zu koordinieren. Der Begriff Nachhaltigkeit selbst stammt übrigens aus der Forstwirtschaft: Anfang des 18. Jahrhundert stellte Carl von Carlowitz dar, dass immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie auch durch Aufforstung wieder nachwachsen kann.

Forstwirtschaft und die Nutzung von Holz

Im Alltag nutzen die Deutschen so viel Holz, dass der Bedarf seit 2011 nicht mehr aus der inländischen Produktion gedeckt werden kann. Rechnet man den Bedarf im Baugewerbe, Energieerzeugung, Papierherstellung usw. auf die Bevölkerung um, verwendet jede*r Deutsche 250kg Papier pro Jahr. Hölzer aus den eigenen Wäldern haben dank kurzer Transportwege eine bessere Ökobilanz. Zu 53% wird der Holzbedarf derzeit allerdings durch Importe gedeckt (BMEL 2017). Trotzdem erreichte die deutsche Forstwirtschaft 2012 ein neues Rekordhoch und auch weiterhin gute Werte: 2014 lag der Jahresumsatz bei 178 Milliarden Euro, der zu über 90% durch den Verkauf von Rohholz erzielt wurde. Gehandelt wird auch mit Reststoffen aus Holz, Halbwaren wie Spanplatten und Schnittholz, Fertigwaren wie Möbel und mit Energieprodukten wie bspw. Pellets. Die 128.000 Unternehmen der Branche beschäftigen 1,1 Millionen Menschen, und das vor allem auch in strukturschwachen Regionen. Aufgrund von zunehmender Mechanisierung z.B. in der Holz-Ernte und organisatorischen Umstrukturierungen sind diese Zahlen allerdings leicht rückläufig (BMEL 2017b).

Der Wald und die Umwelt

Bedeutung des Waldes in der Energiewende und im Klimaschutz

Die Bäume eines Waldes sind Kohlenstoffspeicher, übernehmen die Aufnahme von dem Treibhausgas Kohlenstoffdioxid und sind Sauerstoffproduzent. Eine Fichte erleichtert die Atmosphäre in zehn Jahren um ca. zwei Tonnen CO2. Insgesamt speichern die Bäume in deutschen Wäldern jährlich 58 Millionen Tonnen CO2 ein (BMEL 2017b) und nicht nur das: Bis zu drei Millionen Liter Wasser kann ein Hektar Waldboden aufnehmen, aus dem sich Grundwasser und Quellen speisen. Im lokalen Klima ermöglichen Wälder den Frischluft-Austausch zur Regulierung der Temperatur, da sich der Wald nicht so schnell aufheizt wie umliegende Siedlungen (BMEL 2017b). Nicht nur Bäume selbst und der Waldboden speichern CO2. Auch Produkte aus Holz, die lange genutzt werden, binden CO2 dementsprechend. Das Ersetzen von Rohstoffen, die in Herstellung, Bearbeitung und Entsorgung sehr energieintensiv sind, wie bspw. Aluminium, entlastet die Umwelt weiter. Schließlich benötigt Holz weitgehend nur Sonne, Wasser und Nährstoffe um (nach) zu wachsen. Holz ist der mit Abstand wichtigste Energieträger vor Windkraft und Biotreibstoffen. Ein Drittel der nachhaltig erzeugten Endenergie wird aus Holz gewonnen. 64 Millionen Kubikmeter werden zur Energiegewinnung benötigt, ein Drittel des geernteten Holzes wird direkt energetisch genutzt (BMEL 2017a und b)

Biodiversität, Tiere und Pflanzen

Die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten, die den deutschen Wald bewohnen, ihre genetische Vielfalt und die Vielfalt an Ökosystemen, in denen sie leben, nennt man Biologische Vielfalt oder Biodiversität. Ist sie hoch, sind Wälder stabil und anpassungsfähig an veränderte Bedingungen wie durch den Klimawandel verursacht. Diese Funktion scheint den Deutschen auch besonders wichtig zu sein: 98% der befragten Menschen finden es wichtig oder sehr wichtig, dass hier Tiere und Pflanzen natürliche Lebensräume haben (Vergleich zum EU-Durchschnitt: 63%). BMEL 2017b

Gesellschaftliche, soziale und kulturelle Funktionen des Waldes – der Wald und wir

Das Recht auf Erholung ist in §14 des Bundeswaldgesetzes verbindlich festgehalten. Insgesamt statten die Deutschen ihrem Wald etwa 2,3 Milliarden Besuche ab. Jede*r Einzelne tut das durchschnittlich 28-mal, sei es beim Mountain-Biking, Reiten, Geo-Caching oder Spazierengehen. Auf 512.000 km Radwegen und 62.00 Fuß-, Reit- und Wanderwege findet man Erholung, Ruhe, frische Luft und tut so seinem Immunsystem etwas Gutes. 2016 stellte der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik zwar fest, dass sich Biodiversität und Waldnaturschutz deutlich positiv entwickeln. In den Bereichen Eigentum, Arbeit und Einkommen stellte er aber langfristig negative Tendenzen fest (BMEL 2017b)